Unterwegs nach Sveg, zum Skatteverket ©dsk



Woche Drei - Behördenkram
 

Das Internet bleibt Thema. Die Smartphone-Gigabyte sind längst aufgebraucht. Das Supermarkt-Café hat ein offenes Netz, aber die Leute, die dort Kaffee trinken, sind so interessant, dass es fast albern ist, sich dort auf den Rechner zu konzentrieren. Wir brauchen eine stabile Lösung, wir brauchen einen Vertrag mit einer Telefongesellschaft. Das geht aber nur mit einer Personennummer, und dafür müssen wir uns in Schweden anmelden. Hatte nicht eine welterfahrene Freundin sowieso gemeint, erst durch die Bürokratie lerne man ein Land richtig kennen? Das nächste Skatteverket – so heißt die Finanzbehörde, die auch das Meldetechnische regelt – ist in Sveg. Sveg ist ca. 120 Kilometer entfernt. Na und? Für die Leute hier ist das ein Klacks.

Die Öffnungszeiten im Kopf, brausen wir mit 90 Sachen durch die Wälder, ohne nach rechts und links zu schauen. Erst kurz vor Sveg halten wir endlich: Ein großer See mit romantischen Inselchen lässt uns nicht vorbei. Im Städtchen ein schneller Rundgang, das Skatteverket hat noch Mittagspause, die Kirche, der alte Friedhof, die riesige Bärenskulptur, die eher einem Schwein ähnelt. Im Supermarkt treffen wir auf die ersten Migranten – klar, Schweden ist ein großes Aufnahmeland. Im Skatteverket sind wir dann die einzigen „weißen“ Kunden, die einzigen alten – und die einzigen, die kein Schwedisch sprechen. Die anderen sind jung, vermutlich aus Eritrea oder Äthiopien, und sprechen schwedisch.
Wir haben alles dabei: Pässe, Rentennachweis, Krankenkassenkarte. Dann fehlt doch etwas: Die Heiratsurkunde. Wer denkt an so was? Wenn wir das Dokument schnell besorgen, dauert es vier Wochen, verspricht man uns.

Der Rückweg wird gemütlich. Die alte Eisenbahnbrücke muss unbedingt fotografiert werden. So entdecken wir das Mankell-Zitat. Richtig, der schwedische Krimipapst ist ja in Sveg aufgewachsen. Sie haben schon ein Museum für ihn eingerichtet! Und die Brücke nach ihm benannt! Vierzig, fünfzig Kilometer weiter ein alter Museums-Bauernhof. Schuppen, Scheunen, Wohnhäuser, selbst die Dächer aus Holz. Gemütlich, friedlich, schön - aber natürlich will niemand mehr so wohnen. Dann mitten im Wald Pferche, Zäune, Rampen. Hier werden im November die Rentiere zusammengetrieben. Die Tiere kommen aus allen Richtungen, werden gezählt, begutachtet, markiert – und ein Teil landet auf LKWs Richtung Schlachthof. Zugegeben, Rentierfleisch schmeckt richtig gut …

Ein paar Tage später kommt ein Brief vom Skatteverket in Karlstad. Sie brauchen noch eine Bescheinigung, diesmal von der Krankenkasse, Formular E 106, E 109, E 121 oder S 1 … Heiliger Bürokratius!

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