Das Rendalen-Fjäll - zum Greifen nah ©dsk



Woche Einundfünfzig - Panoramaweg
 

Er ist einer unserer Lieblingswege: Von Idre Richtung Westen, über die norwegische Grenze, dann nach Süden und irgendwo links rein. Stopp an einer „bomstation“: Hier ist ein Obolus zu entrichten, denn nun beginnt eine Privatpiste. Natürlich kontrolliert hier niemand, das geht auf Treu und Glauben. Durch einen dichten wilden Wald langsam bergauf, irgendwann beginnt das Fjäll – und wir sind auf dem Höhenweg, den wir so lieben. Unter uns liegt ein Sumpfgebiet, mit hundert kleinen und kleinsten Seen. Weit hinten der riesige Femund-See, am Horizont ein Fjällmassiv am anderen: Rendalen, Elgå, Saltfjäll, Långfjäll, Nipfjäll, Städjan. Und darüber der weite schwedische Himmel, stahlblau oder voll dicker weißer Wolken oder tiefgrau mit Regenvorhängen und heraufziehendem Gewitter. Diese Himmelsdimension hat man bei uns einfach nicht. Eine Stunde sitzen wir dann einfach da und schauen. Zweimal haben wir im Sumpf einen Elchbullen beobachtet, wie er ruhig hierhin und dahin wanderte und futterte, ungestört. Wir waren ja auch mindestens einen Kilometer von ihm entfernt.
Die Piste endet bei einer Hütte, ein Schild weist zur „rævhølet“, der „Fuchshöhle“. Ein gerade noch erkennbarer Trampelpfad, quer durch kleine Birkenwälder mit üppigem Blumenangebot (Bachnelken, Wasserkreuzkraut, Sumpfblutauge, Storchenschnäbeln und tausende giftigen Eisenhüten), dann Sumpfgelände, wieder Birkenwald – und so weiter. Irgendwann markiert ein dicker Grenzstein den Übergang von einem Land zum anderen. Die norwegischen Widerstandskämpfer, die sich hier in Sicherheit vor den deutschen Nazis gebracht haben, werden aufgeatmet haben, wenn sie den Stein passiert hatten. Trotzdem haben sie ihren Unterschlupf noch einen Kilometer weiter ins Schwedische verlegt und in die Wurzeln einer alten Kiefer hineingebaut, so dass er fast unsichtbar war. Vor Verfolgern waren sie damit sicher – vor den Mücken vermutlich nicht! Als wir in den feuchten, halbdunklen Raum kamen, stürzten sie sich die Tierchen gnadenlos auf uns ...

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