Geparkt in the middle of nowhere ©dsk



Woche Fünfundzwanzig - Flüchtlinge
 

Das Thema ist überfällig. Und ich hätte schon längst etwas darüber geschrieben, aber mir fehlen schlicht und einfach die Infos. Unsere Sprachkenntnisse reichen gerade für die Überschriften der Boulevard-Presse. Die schwedischen Radio-Sender, die wir hören können, sind Spaßsender. Unser Fernseher „kann“ nur deutsches TV. Und darüber bekommen wir Nachrichten wie: Schweden macht die Grenzen dicht, Schweden will die 80 000 Frauen und Männer, deren Asylanträge abgelehnt sind, aus dem Land schaffen. Und: Schweden hat von allen Ländern Europas die meisten Flüchtlinge aufgenommen.
In Idre sehen wir keine Flüchtlinge. Sicher, es gibt ein paar Frauen und Männer, deren Äußeres darauf schließen lässt, dass sie keine schwedischen Wurzeln haben. Aber wer weiß, ob sie nicht hier geboren sind oder als Kinder hierher kamen …
Vor unserem Supermarkt saß eine Zeit lang eine Frau, die bettelte, ihr Mann stand beim Konkurrenz-Supermarkt. Die Kunden waren nett zu ihr, gaben reichlich, luden sie zu einem Kaffee und damit zum Aufwärmen ein, sie konnte ihr Handy aufladen … Die beiden stammen aus Bulgarien, soweit konnte ich mich mit ihr verständigen, mir ist allerdings nicht klar geworden, ob das an meinen drei schwedischen Sätzen lag oder an ihren. Warum betteln sie? Weil es einträglicher ist als für 10 Kronen die Stunde zu arbeiten? Dann habe ich sie fotografiert, gegen einen Obolus – seitdem sitzt sie nicht mehr dort. Was nicht an der Kälte liegen kann, damit hatte sie auch schon vorher zu kämpfen.
Als wir im Herbst einmal über die norwegische Grenze gehüpft sind, begegneten wir Flüchtlingen. Am Südende des Femund-Sees waren sie in einem großen, idyllisch gelegenen Hotel untergebracht – kilometerweit entfernt von einem winzigen Dorf, wo es immerhin einen Laden gibt. Wie verbringen sie in dieser Abgeschiedenheit ihre Tage? Gibt es Integrationskurse, Sprachunterricht? Ich weiß es nicht. Wir konnten nicht miteinander sprechen. So bleibt das Flüchtlingsthema, das uns in unserer Abgeschiedenheit sehr beschäftigt, ein weißes Blatt Papier!

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