Blumenpracht, die süchtig macht. Wir haben seit Monaten keine Blätter und Blüten gesehen ©dsk



Woche Neununddreißig - Stockholm zum Ersten
 

Als wir Drottingsgatan herunterschlenderten, wunderten wir uns über die Fahnen: Eurovision Song Contest? Ach ja, dieses Jahr in Stockholm. Wann findet er denn statt? Nirgends ein Datum zusehen … Haha. Er fing genau an dem Tag an, an dem wir in Stockholm ankamen! Und wir hatten uns über die ausgebuchten Hotels gewundert, als wir unseren Trip vor Monaten planten. Hingegangen sind wir aber nicht – wir haben uns einfach zweieinhalb Tage durch die Stadt treiben lassen. Hier ein bisschen vom „Treibholz“.
So viele prächtige alte Gebäude – man sieht und spürt, dass diese Stadt nie von Kriegen zerstört wurde. So viel Wasser – überall Schiffe und Schiffchen, Fähren und Boote, selbst eine Bootswerft der „Folkshögskola“ liegt mitten in der Stadt. So viele Parks – wir konnten Blätter (!) und Blüten (!) bewundern (haben wir seit einem halben Jahr nicht gesehen), auf Bänken sitzen, junge Stockholmer bei ihrer Aktiv-Mittagspause beobachten oder beim Kinderwagen schieben. So viele RadfahrerInnen – wo in Berlin oder Bremen zwanzig an der Ampel warten, waren es hier fünfzig, sechzig, die meisten übrigens mit Helm! So viele Museen – das Museum für Moderne Kunst ist der menschenfreundlichste Ort, den wir seit langem erlebt haben. So viel Skurriles: Musizierende Fußgängerampeln, marschierende Wachmannschaften am Schloss, Unisex-Toiletten, die für Verwirrung sorgen … Und so viele nette Menschen!
Zum Beispiel die jungen Männer, die uns durch ihre drollige Kleidung auffielen. Waren das Korpsstudenten? Nein, ein Chor aus Uppsala, der wenig später in der finnischen Kirche auftrat. Wir konnten ihrer Einladung nicht widerstehen und hatten eine Stunde wunderbaren Chorgesang, geleitet von einer Frau. Oder die Museumsdame, die uns erzählte, dass die staatlichen Museen jetzt keinen Eintritt mehr nehmen, weil Kunst schließlich für alle da ist. Oder der alte Kioskbesitzer, der uns (auf schwedisch) geduldig erklärte, wo wir eine postställe finden, um ein Päckchen zu verschicken. Wir mussten trotzdem lange suchen – Briefe und Päckchen sind in Schweden scheinbar nicht mehr üblich. Der Trend geht mit Riesenschritten zum Virtuellen. Die Smartphoner beweisen es … aber darüber nächste Woche mehr!

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