Die drei Ziegen, schwarz, weiß und grau, finden die Brücke wegen der Spalten schwierig ©dsk



Woche Sechs - Mit Tieren spazieren
 

Vor ein paar Wochen habe ich gemeckert, dass wir keine wilden Tiere sehen. Das haben offenbar die Halbwilden gelesen und sich entschlossen einzuspringen. Und das ist passiert: Wir machen uns zu einem Wanderweg auf, der nur auf der Karte, nicht im Wanderführer zu finden ist. Tatsächlich sind wir die einzigen Menschen weit und breit. Aber: Es gibt drei einsame Ziegen, die sich - hocherfreut über unser Auftauchen - spontan entschließen, uns zu begleiten. Wir sind dagegen! Zwei bimmeln permanent mit ihren aufdringlichen Glöckchen, und als die dritte einen Scheinangriff unternimmt, versuchen wir, die drei zu verscheuchen. Aber sie bleiben eisern! Über Matschwege und durch Bäche, über Holzstege und eine Brücke mit breiten Spalten laufen sie uns hinterher. Wenn wir stehen bleiben, zupfen sie ein bisschen an den Blaubeersträuchern – und wenn wir versuchen, uns davon zu machen, schließen sie im Schweinsgalopp wieder zu uns auf.
Den Rückweg absolvieren wir in umgekehrter Marschordnung: Jetzt zuckeln sie vor uns her, schauen gelegentlich, ob wir nachkommen, warten geduldig, wenn wir einen Fotostopp einlegen und bringen uns schließlich bis zum Auto. Dass sie nicht hinterher winken, ist eigentlich erstaunlich!
Einen Tag später sind wir auf dem Linnéstig unterwegs. Weil hier der Naturforscher Carl von Linné einmal entlang gewandert ist, gehört der Weg ins schwedische Touristenprogramm: Bis zur norwegische Grenze, also ca. drei Kilometer ist er befestigt und ausgebaut. Dann kommt ein Rentierzaun, wenig später beginnt Norwegen – dort steht wahrlich und wahrhaftig ein Schild, das die Landesgrenze markiert! - der Weg wird zum „normalen“ Wanderweg … Und dann entdecken wir die Rentiere, eine enorme Herde. Für ein aussagekräftiges Foto sind sie zu weit entfernt, trotzdem bleiben wir lange stehen. Schließlich marschieren wir weiter, zum Linnépass, genießen die Aussicht Richtung Norden, drehen uns um ... und da sind sie! Keine 50 Meter entfernt. Stehen herum, fressen, schauen uns an, der Leitbulle schnaubt ein bisschen. Wir liegen längst auf dem Boden und machen uns klein. Und wir sind auch tatsächlich klein, angesichts der starken Tiere mit ihren ausladenden Geweihen! Helle und Dunkle gibt es, ganz Weiße und Gemusterte, Jungtiere mit zwei geraden Stangen, Kälber ohne Kopfschmuck, Große mit blankgeputztem Geweih und andere, die noch jede Menge „Bast“ abfetzen müssen … Irgendwann haben sie genug von uns und ziehen langsam weiter. Und wir sind getröstet – halbwilde Natur ist auch schön!

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