Erst drei Tage alt, kein Wunder, dass sie noch ziemlich erschrocken in die Welt guckt ©dsk



Woche Sechsunddreißig - Kålberget
 

Wir haben mal wieder Probleme mit dem Internet – und alles telefonieren mit der Telia-Hotline bringt nicht wirklich weiter. Unsere letzte Hoffnung: Der nächste Telia-Shop, 250 Kilometer entfernt, in Östersund. Weitsichtig planen wir den Trip als Ausflug, zum Glück, denn im Shop bringt Jonas zwar unseren „mobil broadband“-stick wieder zum Laufen, für unsere Probleme hat er aber keine Erklärung. Es kann also jederzeit … Lieber nicht dran denken.
Also auf zum Ziel Nummer zwei, Kålberget, eine Stunde nördlich von Östersund, ein Biobauernhof, dessen wunderbaren Käse wir auf dem Wintermarkt in Røros kennen gelernt haben.
Kålberget ist ein Zwei-Frau-Betrieb, den Janna und Sonja, 31 und 32 Jahre alt, gelernte Landwirtinnen aus Deutschland, vor vier Jahren aufgezogen haben. Mittlerweile sind 103 – oder sind es 104? - Tiere dort einzogen. Vor allem Ziegen: Siebzig Zieginnen, die die Milch für den wunderbaren Käse liefern, und drei Ziegeriche, die ihren Beitrag zu den vielen Zicklein erledigt haben, die herum springen.
Während Sonja (sie ist für die Tiere zuständig) mit Füttern beschäftigt ist, führt Janna (zuständig für Käseproduktion, Vermarktung, PR) uns herum. Sie zeigt uns den Melkstand und die Käserei, die beiden Käsekeller – hmm, wie das duftet! Und die übrigen Tiere: Pongo, den Eber – ein Linderöt-Schwein, genau wie seine Frau Aurelia, die vor kurzem sieben Schweinchen in die Welt gesetzt hat. Fünf toben auf dem Hof herum, zwei lieben die Rotlichtlampe, und Aurelia bewacht sie. Dann die kleinen Ziegen, die kleinsten sind erst ein paar Tage alt und haben ein wunderbar weiches Fell. Den etwas Älteren wachsen schon die Hörnchen. Dann die Ziegenböcke, Karl-Gustav hat Hörner von mehr als einem halben Meter Länge! Die drei vertragen sich nicht und müssen deshalb getrennt aufbewahrt werden. Schließlich die sieben Kühe – auch hier gibt es Tiere einer alten Rasse, Fjällrinder -, die vier Hühner plus Hahn … Kater Oskar schleicht die ganze Zeit um uns herum, aber der große weiße Hütehund muss im Haus bleiben, er haut sonst ab.
Janna erzählt, wie schwer es am Anfang war: Haus, Ställe, Schuppen, Weideland und Wald waren zwar bezahlbar (anders als in Deutschland), aber heruntergekommen, es gab nicht mal ein Klo, geschweige denn warmes Wasser. Beides ist mittlerweile vorhanden, auch eine Wärmepumpe – sehr praktisch, wenn man sonst nur mit Holz heizt. Für Ausgleich zur Anfangshärte sorgten die Nachbarn. Sie kamen vorbei, boten Hilfe an und brachten Nützliches mit, ein Stück Weidezaun, einen Tisch, Holz für den ersten Winter … Statt Skepsis große Freude, dass der Hof wieder bewirtschaftet wurde, dazu noch von Fachfrauen, von denen kein Strohfeuer zu erwarten war. Also alles prima. Wenn man frühes Aufstehen und ein einfaches Leben, harte körperliche Arbeit und ein nördlich-rauhes Klima mag. Zum Schluss kaufen wir ein: Ziegenbutter, Tilsiter aus Ziegen- und Kuhmilch, Blauschimmel-und Rosmarin-Ziegenkäse, vier Linderöt-Koteletts, einen Zickleinbraten. Denn geschlachtet wird auf Kålberget auch.

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