Unsere Vogelhäuschen-Installation nach dem ersten Schnee ©dsk



Woche Sechzehn - Bird Watching oder schlicht: Vogelhäuschen
 

Ehrlich gesagt fand ich die Idee spießig: Unsere Vermieterin hatte uns gebeten, im Winter die Vögel zu füttern und dafür ein Vogelhäuschen zu kaufen. Das passte nicht in mein Selbstbild, das hatte was von „alte Leute“, übertrieben tierlieb oder eben spießig … Aber gut, wir sind in den Baumarkt gefahren, haben ein Vogelhäuschen gekauft und abgewartet, bis dick Schnee lag. Denn verwöhnen wollten wir die Tiere auf keinen Fall (ein Hauch von Darwin?). Dann das Häuschen auf dem Balkon aufgestellt, diverses Futter hinein gestreut (bekommt man hier in schweren Kilo-Säcken), dazu noch einen Meisenknödel – und dann haben wir gewartet.
Einen Tag – nichts, zwei Tage – ein paar Kohlmeisen. Aber am dritten Tag waren sie da: Kohlmeisen, Haubenmeisen, Sumpfmeisen (da mussten wir erst einen Experten fragen). Dompfaffen in männlicher (=rotbrüstiger) und weiblicher (=graubrüstiger) Ausführung, ein Buntspecht … Ein paar Tage später hatte sich ein schnittiger Kleiber dazugesellt und sage und schreibe vier Eichelhäher. Und ich hatte längst gemerkt, wie interessant so eine Futterstelle sein kann. Auch wenn "nur" ganz normale Vögel kommen, die wir von zu Hause kennen.
Zum Beispiel die Hackordnung: Wenn die Meisen allein sind, zanken sie sich untereinander. Kommen die Dompfaffen – und es kommt immer ein ganzer Schwarm und platziert sich zuerst malerisch in den nächsten Baum -, treten die Meisen in die zweite Reihe, nur der Kleiber traut sich, gleichzeitig Körner zu picken. Rechts und links und oben auf dem Häuschen sitzen dann die Dompfaffen, als würden sie es bewachen. Den Specht stört das nicht, er holt sich zwischendurch rasch eine Nuss ab, steckt sie in die Rinde einer Kiefer und hackt sie dort klein. Die Eichelhäher sind die Könige – allerdings scheinen alle diesen Titel für sich allein zu beanspruchen. Denn es ist immer nur ein Tier am Häuschen, frisst solange es will, dann erst kommt Eichelhäher Nummer 2 und wiederholt das Spiel …
Im Laufe weniger Tage haben die Vögel gelernt, dass wir sie in Ruhe lassen. Selbst die Eichelhäher verlieren langsam ihre Scheu und fliegen nicht bei jeder Bewegung auf, die sie im Zimmer wahrnehmen. Aber was sie bisher nicht gelernt haben: Dass es eine Fensterscheibe gibt! Immer wieder fliegt ein Tier dagegen, pick, bumm … ein paar Federchen, ein kleiner Blutfleck bleiben an der Scheibe kleben. Einen Toten haben wir auch schon zu beklagen …

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