Ein echter Same - im Tourismusgeschäft ©dsk



Woche Siebenunddreißig - Samernas land
 

Rentiere sehen wir überall, auf den Straßen, im Wald, auf dem Fjäll – aber ihre Besitzer? Nicht die Spur. Pferche, in denen die Rentiere zusammengetrieben, gezählt und sortiert werden, liegen rechts und links der Straßen, auf denen wir unterwegs sind – aber ihre Betreiber? Keiner da. Samische Namen stehen auf allen Ortsschildern im Sami-Gebiet, Eajra unter Idre, der südlichsten Samen-Siedlung Schwedens, Neassu unter Tännäs … aber die samischen Einwohner? Fehlanzeige.
Auf dem Weg nach Grövelsjön liegt ein Sami-Laden, er gehört einer zertifizierten Sami-Firma, die Fleisch und andere „typische“ Lebensmittel verkauft, und … ich würde sagen: samische Andenken. Wir erstehen für diverse Kinder aus der Verwandtschaft kleine handgenähte Lederpantoffeln. Ein nettes Geschenk.
Die Betreiberin, keine Sami, aber mit einem Samen verheiratet, haben wir schon bei einem Ski-Event getroffen. Sie stand – natürlich - in einem Zelt, briet Rentier-Fleisch und verkaufte es zum Beispiel in Form von Wraps. Lecker. Unsere Rentier-Franzyska ist besser. Wir fragen, wann und wo wir einmal miterleben können, wie die Rentiere zusammengetrieben und sortiert werden. Um Midsommar herum, meint sie zögernd, aber sie haben nicht so gern, wenn Touristen dabei sind. Dann kämen sie sich vor wie im Zoo. Verstehe.
In Östersund finden wir ein Sami-Informationszentrum. Dort erklärt man uns bereitwillig die ausgestellten Objekte: Die traditionellen Farben der Kleidung, rot bei den Frauen, blau bei den Männern. Gebrauchsgegenstände, die aus Birkenholz oder Rentiergeweih hergestellt sind (alles, wirklich alles vom Rentier wird genutzt). Schmuck, unter anderem aus Zinn, und die Bedeutung des Schmucks. Wir erfahren, dass das Samen-Parlament in Kiruna sitzt, wegen Bergbauschäden aber umziehen muss, sie hoffen nach Östersund. Und dass junge Samen sich gegen die Samen-Klischees wehren ... So kommen wir den Sami - oder wie wir sie uns vorstellen - nicht wirklich näher. Vielleicht müssen wir weiter im Norden nach ihnen suchen, in Jokkmokk oder Kiruna.

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