Bis zum anderen Ufer sind es fünf Kilometer, bis zu den Bergen viel weiter - der Femundsee ©dsk



Woche Vierunddreißig - Femunden
 

Der Femundsee ist ein Gigant unter den tausend Seen in unserer Umgebung. Dicht hinter der schwedischen Grenze gelegen, sechzig Kilometer lang, fünf Kilometer breit, hundert Meter tief. Als Sommer-See kennen wir ihn schon, jetzt wollen wir ihn – quasi im letzten Moment - als Winter-See erleben. Von Idre aus sind es sechzig Kilometer, dann sind wir in Elgå, einer kleinen Gemeinde am östlichen Ufer, mit Kirche, Schule, Fischhandel, Bootshäusern, Nationalparkzentrum – und Wildzaun. Nicht umsonst heißt der Ort so, er war wohl mal ein Lieblingsort der Elche.
Der Femund ist komplett zugefroren und schneebedeckt. Einige Stellen sind mit Zweigen markiert – vermutlich von und für Eisangler. Ansonsten liegt eine gigantische unbelebte weiße Fläche vor uns, dahinter ein alpines Panorama. Was für Fotomotive!
Wir widmen uns dem Eis und seinen Formationen, knipsen x-mal die schneebedeckten Berge am anderen Ufer, hinter denen sich immer neue weiße Wolken auftürmen. Plötzlich zwei Menschen auf dem Eis, mit Sparks, also Tretschlitten, und Hund. Das Eis hält also noch – wir gehen trotzdem nicht drauf. Dann ein Schneescooter mit zwei Anhängern voller Kisten. Er fährt quer über die Bucht zum Anleger – Angler, die ihren Fisch abliefern vermutlich. Wir finden einen Weg, der auf dem kleinen Steilufer Richtung Süden entlang führt und trotz Schnee begehbar ist. Vor-frühlingshafte Stimmung, Sonne von vorn, kalter Wind vom See, ein schmaler geschmolzener Uferrand, skurrile Bäume mit langen Schatten … Und dann sitzen sie da, die beiden Schlittenleute, in dicken Jacken, ein Fell im Rücken – und machen Lunch. Wir laufen bis zu einer Bach-Mündung und wieder zurück. Die Schlittenleute sind immer noch da. Sie sonnt sich, er marschiert gerade mit einem Bohrer ein Stück weit weg, bohrt ein Loch ins Eis, breitet eine Matte aus, legt sich platt auf den Bauch … Durchs Tele sehen wir, er hat eine Angelschnur in der Hand und guckt durch sein Bohrloch ins Wasser. Wir warten – er liegt, regungslos. Irgendwann wird uns das Warten zu lang … Eine solche Angelmethode haben wir noch nie beobachtet. Aber so sind sie, die Norweger.

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