Das Zorn-Zett als Türklinke im Mora-Haus ©dsk



Woche Zweiundvierzig - Anders Zorn und Emma Lamm
 

Irgendwie passt so was nicht ins Schweden-Klischee: Dass vor 100 Jahren mitten im provinziellen Dalarna ein Mann und eine Frau gelebt haben, die ein weltoffenes und modernes, soziales und künstlerisches Leben geführt haben. Die Rede ist von Anders Zorn, Jahrgang 1860, einem der bekanntesten Maler des Landes, und seiner Frau Emma Lamm, einer Stockholmerin. Die beiden haben sich in Zorns Heimatdorf Mora – heute eine kleine Stadt – ein Haus, eine Umgebung, ein Leben geschaffen, das uns mächtig beeindruckt hat. Wir waren nämlich da, zur „Besichtigung“. Schließlich ist Mora nur 150 Kilometer von uns entfernt.
Anders und Emma Zorn kamen 1896 nach Mora, nachdem sie jahrelang in Paris gelebt und halb Europa, die USA, Nordafrika und den vorderen Orient bereist hatten. In Mora bauten sie sich nach eigenen Entwürfen ein Haus, griffen dabei alte Bautraditionen auf und entwickelten ihren eigenen Jugendstil. Und „natürlich“ wurde das ganze mit allem Komfort ausgestattet, den es damals gab: Zentralheizung, Eisschrank (aus USA), Staubsauger, das erste Telefon im Ort ... Im „großen Saal“, dem Zentrum des Hauses, befand sich Emmas umfangreiche Bibliothek, ein Billardtisch mit Zuschauerbank, ein Teil der Kunstsammlung, ein Querschnitt durch Zeiten und Kulturen.
Während Anders zeichnete, malte, radierte und sich dafür neben dem heimischen Atelier noch eine Außendependance leistete – mitten im Wald, direkt am See -, engagierte sich Emma, ein hochgebildete Frau, für soziale Projekte: ein Kinderheim, einen Vorlesungsverein, eine Gemeindebibliothek, die erste Schwedens – ausgerechnet in diesem Nest, und eine Volkshochschule, an der beide unterrichteten. Aber man reiste auch weiter durch die Welt – und hatte Gäste! Davon erzählen der riesige Esstisch mit seinen unzähligen Stühlen, die prall gefüllten Geschirrschränke, der riesige Küchenherd, die Gästezimmer … Was für ein Leben: Ein armer Junge vom Dorf, der Welt-Karriere machte und Millionär wurde, und eine Frau (an seiner Seite, seufz), die mit ihm durch die Welt reiste und gab, was sie hatte: Bildung und Bücher.

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